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   Was erwartet uns?

 

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Steht man vor einem historischen Instrument, stellt sich uns diese Frage jedes Mal aufs Neue.

Man muss vielleicht schon ein wenig "ver-rückt" sein, um nachvollziehen zu können, Stunden und manchmal Tage an ein und demselben Instrument zu verbringen, kleinste Details zusammenzutragen, unzählige Pfeifenmaße abzunehmen, Fotos en masse zu schießen und zwischendurch immer wieder an den zu Spieltisch zu gehen und das in sich aufzunehmen, was nicht auf Papier notiert werden kann.

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 (links: Pneumatische Spielanlage)

 

Wie man es auch nennen mag - letztendlich ist es die Begeisterung für's Instrument, die uns antreibt! 

Schleif- oder Kegellade, mechanisch oder pneumatisch, der Orgelbauer muss in allen Gebieten zu Hause sein.

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   Licht in die Geschichte bringen

  

Der nächste Schritt bei einer Restaurierung ist reine Fleißarbeit: Recherche. Quellen müssen geprüft, alte Unterlagen gewälzt werden.
Ziel ist es, die Historie des Instruments offen zu legen, denn die Zeit wird nicht spurlos vorbeigegangen sein.

Wichtig auch die Frage: Wer war sein Erbauer? Welche Meinungen vertrat er? Und nach welchen Fertigungsgrundsätzen hat er gearbeitet? Die Antworten auf diese Fragen sind für uns jedes Mal aufs Neue spannend und aufschlussreich!
Letzten Endes werden sowohl Bestandsaufnahme als auch die Ergebnisse der Recherchen zusammen mit einem umfassenden Restaurierungskonzept in einer Expertise zusammengefasst.

Auf die Gründlichkeit unserer Recherchen legen wir höchsten Wert, denn das Ergebnis der Recherche ist die Grundlage all dessen, was folgt!

  

 
 
   Man muss nicht einer Meinung sein 
   mit den Meistern vergangener Zeiten -

   aber man muss sie respektieren!

  

 

In vielen Fällen greift man im Orgelbau der heutigen Zeit wieder auf alte Prinzipien zurück. Die Langlebigkeit, die technische Eleganz und nicht zuletzt die Ästhetik sind Argumente, die oftmals für sich sprechen. Als einfaches Beispiel dient hier die Tontraktur aus Holzabstrakten. Viele Experimente wurden im Laufe der Zeiten durchgeführt, um letzten Endes wieder zur "guten alten Holztraktur" zurückzukehren. 

  

Doch nicht immer liegen die Antworten so nahe. Dem raschen Aufstieg der Industrialisierung in der Gründerzeit und der damit verbundenen "Erfindung" der Rationalisierung konnten viele traditionelle Handwerker nichts entgegensetzen. Sie verschwanden, und mit ihnen jahrzehnte- teilweise jahrhundertelang überliefertes Wissen. 

   

Erst mit dem wachsenden Bewusstsein für die Werke der alten Meister rückt auch das Interesse an deren Fertigungsweisen langsam wieder in der Vordergrund.

Im Orgelbau dauert dieses Bewusstsein noch nicht sehr lange an - viele Instrumente wurden bis in die 80er aus einem aus heutiger Sicht falschen Verständnis gegenüber den alten Meister heraus "kaputtrestauriert".
 

Die sorgfältige und überlegte, quasi eine "defensive" Restaurierung wertvoller historische Instrumente ist ein Weg, in den der Orgelbau weiterhin verstärkt führen wird - und wir werden ihn mit beschreiten!

   

 
 
   Lebendige Historie - Arbeiten wie vor über 100 Jahren

  

Fischblasenleim, blonder Schellack, roter Bolus - zweifelnd, fast ungläubig sind die Blicke der Kollegen des Schreinerhandwerks, wenn man erwähnt, welche Techniken im Orgelbau noch Verwendung finden.
   

Anachronismen einer fast vergessenen Zeit - hier findet man sie noch. Und man muss diese Techniken ebenso gut beherrschen wie die Neuen.

     (oben :Verarbeitung von Warmleim)
 

Ebenso selbstverständlich, wie man für neue Arbeiten den weißen PVAC - Leim verwendet, wird bei uns "Warmleim angesetzt" und schonend im Marienbad bei ca. 55 - 60° C erwärmt - und nicht heißer, denn sonst degeneriert der Warmleim und er verliert seine Klebefähigkeit.

Und wo anderswo das Werkstück mit Schleifpapier geschliffen wird, kommt hier noch der gute alte Hobel zum Einsatz.

 

 
 
   Wenn der Wurm drin ist.

   

Ein weiterer Grundsatz unserer Restaurierungstätigkeiten ist die größtmögliche Erhaltung der vorhandenen Substanz, auch wenn dies oft nur sehr umständlich zu bewerkstelligen ist, denn der größte Feind sowohl des Holzes als auch dessen, der es restauriert, ist die Larve des "anobia punctatum" - gemeinhin auch als Holzwurm bekannt.

   

Um diesem unangenehmen Zeitgenossen Herr zu werden, werden prinzipiell sämtliche Holzteile der von uns zu restaurierenden Orgeln ohne Umwege zu einer auf Schädlingsbekämpfung spezialisierten Firma transportiert.

Die Teile kommen in eine Kammer und werden zwei Wochen lang mit CO², Wärme und atmosphärischem Überdruck behandelt. Danach sind alle Teile zertifiziert schädlingsfrei!

(Anobienbefall am Posaunenbecher)

 
 
   Das schwerste Stück Weg: die Wiederbelebung des ursprünglichen Klanggefüges.

   

Defektes kann restauriert, Zerstörtes rekonstruiert werden. Fehlendes Pfeifenwerk kann anhand chemischer  Materialanalysen detailgetreu nachgefertigt werden.

Doch nichts gestaltet sich so schwierig wie die Wiederherstellung des alten Klangbildes der Orgel. Hier ist ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Hintergrundwissen über das musikalische Verständnis der vergangenen Epochen gefragt.

Doch zuerst müssen die technischen Grundlagen gelegt werden: Bei gründlicher Untersuchung des Registers als Ganzem kommen früher oder später die Änderungen, die die Intonation im Laufe der Zeit erfahren hat, zu Tage - von offensichtlichen Details wie z.B. abgesägten Körpern bis hin zu Feinheiten wie Änderungen am Aufschnitt oder die Ursprünglichkeit / Beschaffenheit evtl. Kernstiche - Detektivarbeit...

 

Einen kompetenten Partner in der Restaurierung historischen Pfeifenwerks haben wir in Wolfgang Schramm, einem selbstständigen Orgelbaumeister in Nümbrecht, spezialisiert auf den Bau neuen und die Restaurierung historischen Pfeifenwerks.
Wolfgang Schramm hat bereits langjährige Erfahrung in der Restaurierung von Metallpfeifen aller Epochen und ist über die Jahre zu einem Freund unserer Firma geworden.

                
Ist das Pfeifenwerk gerichtet, ist es die Aufgabe des Intonateurs mit viel Feingefühl zu versuchen, das originäre Klangideal wieder zu erreichen. Dabei muss der Intonateur immer wieder sich selbst in den Hintergrund stellen, denn anders als bei einer neuen Orgel ist es nicht seine Handschrift, die er hier hinterlässt, sondern er muss die eines anderen auf- und übernehmen!

Eine große Herausforderung, knifflig, diffizil, aber letzten Endes die Krönung des gesamten Werkes!

  

 

  

 

 

 

 


Doppelt labierte Pfeife

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Katalogisierung des Pfeifenwerks

     

    

   

   

    


Aufleimen von Schleifenbahnen aus Leder

     

    

   

   

    


Durchschlagende Zunge

     

    

    

   

    


Restaurierter Doppelfaltenbalg

 

 

 

  

 


Spannungsfreiglühen von Trakturdrähten
     

    

    

   

   


Prospektkondukten aus Zinn/Blei
      

    

   

   

    


Original und "Fälschung"

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